
Präsidentenbericht
Zum Verfassen meines dreiunddreissigsten Präsidentenberichts wartete ich vergebens auf einen regnerischen Weihnachtstag. Da sich dieser nicht einstellen wollte, bestimmte ich halt den ersten Tag, an dem laut Wetter-App Regen fallen sollte. Unsere Statuten verlangen, dass der Präsident das vergangene Vereinsjahr auf Papier bringt, um das Erlebte noch einmal kurz vor Augen zu führen.
Aber was soll ich in diesem Jahr einleitend schreiben?
Viele Ereignisse oder Themen, die direkt mit unseren Aktivitäten in Zusammenhang stehen, gingen mir durch den Kopf. So etwa: die vielen Skiunfälle, teils ausgelöst durch unüberlegtes und rücksichtsloses Verhalten der Sporttreibenden, vermehrte Murgänge und Steinschläge, die nicht nur in den Bergregionen stattfinden, sondern sich bis hinunter ins hügelige Mittelland ausbreiten, oder die immense Abschmelzung der Gletscher, die in direktem Zusammenhang mit der Klimaveränderung steht. Natürlich wäre auch die unsägliche Lebensmittelverschwendung zu erwähnen. Ich bleibe dieses Jahr bei dem, was unser Vereinsbestehen direkt betrifft!

Ihr habt eingangs richtig gehört? Es ist mein 33. Bericht als Vereinspräsident. Vorgängig amtete ich während acht Jahren als Vizepräsident unter dem Vorsitz von Robert Montandon. Als Präsident beschäftigt mich natürlich das stark schwindende Interesse am Vereinsleben der jüngeren Generation, welches für den sozialen Zusammenhalt unserer Gesellschaft von grosser Wichtigkeit wäre. Nachdenklich stimmen mich auch die häufigen Auflösungen von Naturfreunde-Sektionen.
Allein in unserem Kantonsgebiet waren es in meiner Präsidialzeit etwa zehn Sektionen sowie der Kantonal- und Regionalverband Bern, die ihre Segel einziehen mussten. Einige Sektionen versuchten es fürs Erste mit einer Fusion. Viele von euch werden nun vermuten, das Ganze sei ein Finanzproblem?
Weit gefehlt: Primär ist es die Überalterung, die nicht nur in unserem Verband immer mehr voranschreitet und dadurch die Rekrutierung von Mitgliedern oder gar Funktionären schwierig macht. Aber zu diesem Thema mehr am Schluss. Ich verzichte nicht aus Resignation oder Frust auf einen besonderen Vorspann. Nein, ich glaube zu wissen, dass unser Verband und jedes einzelne Mitglied versuchen, diesen negativen Strömungen mit aller Kraft entgegenzuwirken! Darum gehe ich gleich zu den Aktivitäten unseres vergangenen Vereinsjahres. Einiges konnte ausführlich in unseren Vereinsnachrichten gelesen werden und zum Danken komme ich am Schluss meines Berichts!
Das Vereinsjahr 2024 darf als ein recht abwechslungsreiches und zum Glück unfallfreies Jahr bezeichnet werden! Überstrahlt wurden unsere Aktivitäten von der Vereinsreise nach Engelberg. Leider gab es auch einige unerfreuliche Situationen zu meistern. Am 18. Oktober schloss sich der Lebenskreis unseres ältesten Mitglieds Therese Kopp – sie ist in ihrem 93. Lebensjahr verstorben. Die Verstorbene war während 62 Jahren Mitglied unseres Vereins. Leider mussten wir auch von unserem langjährigen Vereins- und Gönnermitglied Marc Gasser Abschied nehmen. Er verstarb nach schwerer Krankheit. Wir werden Therese und Marc in lieber Erinnerung behalten. Ebenso entbieten wir all denen unsere herzliche Anteilnahme, die einen lieben Menschen ziehen lassen mussten, und wünschen viel Kraft und Zuversicht.
Nun aber der Reihe nach: Abseits des grossen Trubels führte uns am 14. Januar die einfache Winterwanderung durch die Landschaften im Naturpark Diemtigtal. Nach dreimaliger Verschiebung konnte diese nun bei herrlichen Bedingungen durchgeführt werden. 15 Personen starteten bei der Brätlistelle Anger und strebten über Schwenden, Blauseeli der Grimmialp zu. Im Restaurant Spillgerten gönnten wir uns ausserhalb des Fahrplans eine Einkehr. Gerade richtig, als sich die Sonne aus dem Tal verabschiedete, erreichten wir wieder unseren Ausgangspunkt.
Nicht nur wanderhungrig, nein auch kulturinteressiert sind sie, die Naturfreunde. 25 Teilnehmer reisten per Zug am 24. Januar zum Lichtfestival nach Murten.
Einer interessanten Stadtführung durch Susanna Baumann am Nachmittag folgten am Abend einige magische Momente. 17 Bilder in verschiedenstem Lichterglanz wussten uns zu begeistern und machten das Festival zu einem besonderen Erlebnis.
Am 6. Februar war eine Schneeschuhtour auf Elsigen angesagt, nur fehlte dafür der nötige Schnee. Absagen wäre das eine, umdisponieren das andere. Kurzentschlossen trafen wir uns stattdessen zum Winterwandern auf Sunnbüel oberhalb Kandersteg. Herrliches Winterwetter und gute Stimmung begleiteten uns Richtung Gemmipass. Zur Mittagszeit erreichten wir das Berghotel Schwarenbach, wo das Picknick aus dem Rucksack angesagt war. Dem einen oder anderen war natürlich nicht entgangen, dass wir uns inzwischen auf Walliser Boden befanden. So war es für mich auch nicht verwunderlich, dass sich hier zwei Gruppen bildeten:
Die eine nahm den Weg zum Daubensee unter die Füsse, und die andere gönnte sich lieber ein Gläschen – was wohl? Klar, wenn schon Wallis, dann Johannisberg.
Auf gleichem Weg erreichten wir, und das erst noch zusammen, wieder die Bergstation Sunnbüel.
Zwei paradiesische Naturschutzgebiete und diese fast vor unserer Haustür? Im Norden von Bern liegen die zwei Naturschutzgebiete Lörmoos und Busselimoos, durch die am 6. April unsere Nachmittagswanderung führte. Start für den leichten Bummel war in Herrenschwanden. Zuerst durchwanderten wir das bezaubernde Lörmoos. Das kleine Hochmoor im Lörwald ist teilweise mit einem hölzernen Steg erschlossen und lässt einen die Flora aus der Nähe bestaunen. Man kann ruhig sagen, wir tauchten in eine andere Welt ein. Hochmoore wie das Lörmoos oder Busselimoos gibt es im Schweizer Mittelland nur noch sehr selten. Hier beende ich den Text zu dieser Aktivität… das muesch eifach sduber gseh ha!
Mahlebach – so hiess am Samstag, 13. April unser Start- und Zielort zur Wanderung. Zwanzig Naturfreunde machten sich an diesem Bilderbuchtag auf die Rundwanderung oberhalb von Mühleturnen. Nur noch dies, Erika: Die Feuertaufe als Wanderleiterin und Organisatorin hast du mit Bravour bestanden!
Am 9. Mai leitete Bernhard den leichten Auffahrtsbummel durch Wälder oberhalb Baldegg. Höhepunkt war die Aussicht mit dem schönen Weitblick über das grösste Wasserschloss der Schweiz, wo Aare, Reuss und Limmat zusammenfliessen. Nach einem steileren Abstieg erreichte man das Ziel Turgi.
Wie schon 2023 beteiligte sich die Gemeinde Münsingen auch dieses Jahr wieder am Coop-Gemeindeduell und stellte für die Bevölkerung ein abwechslungsreiches Bewegungsangebot zusammen. Wir wollten natürlich auch unseren Teil zu den Bewegungsminuten für ein gutes Gemeindeergebnis beitragen und organisierten eine Wanderung von Thun nach Spiez – oder anders formuliert: von Schloss zu Schloss!
Die Wanderung zum Napf starteten wir am 5. Juli von der Luzerner Seite „Holzwäge“ aus. Schon beim Verlassen des Postautos beglückte uns ein eindrückliches Panorama, das uns den ganzen Tag begleitete. Über Hochänzi ging es zur eindrucksvollen Änzifluh. Ab der Alp Stächelegg gab es zwei Gruppen: Die eine musste nochmals den Turbo zünden, um den Schlussanstieg zum Napf zu meistern, und die andere marschierte auf dem Höhenzug vom Luzerner Grenzpfad zum Zielpunkt Fankhaus.
Die abenteuerliche Rundwanderung am 16. Juli von Flühli zum Wasserfall im Chessiloch mit dem Aufstieg zur imposanten Hängebrücke Chessimatteli – der mit 65 Metern Länge grössten Hängebrücke im UNESCO-Biosphärenreservat Entlebuch – und der erholsame Wellnessakt im Kneippweiher „Schwandalp“ werden die Teilnehmenden sicher in bester Erinnerung behalten.
Die alle zwei Jahre stattfindende Vereinsreise führte uns im August mit dem Car ins Engelbergtal. Aha ja, über diesen Anlass wurde ausführlich in den Vereinsnachrichten geschrieben, und der Bericht kann dort nachgelesen werden!
Da wir schon etliche Anlässe wetterbedingt absagen mussten, zeigten wir uns für die Wanderung vom 27. September ab der Schaukäserei Affoltern mit Besuch der Dahlienschau in Lützelflüh wetterfest. Das Mittagessen im Festzelt bot uns die Gelegenheit, etwas zu trocknen. Den Bahnhof Hasle-Rüegsau erreichten wir dann tatsächlich vor dem nächsten Regenguss!
Auf den Spuren der Pilger waren wir am 19. Oktober unterwegs. Ab dem Klosterdorf Riggisberg ging es über Wilisau, Mamishaus nach Schwarzenburg. Aber auch hier waren die Regengüsse der Vortage ein Thema.
Zum Jahresschluss für einmal etwas anderes? Am 27. Dezember starteten wir um 16.00 Uhr beim Tiermatti/Diemtigtal zum Winterbummel. Zuerst ging es bei traumhaften Winterverhältnissen den beiden Flüssen Filderich und Senggibach entlang. Das friedlich daliegende Blauseeli erreichten wir bei Dämmerung und unbeschreiblicher Beleuchtung der Bergsilhouetten. Das Highlight stand uns erst noch bevor: Es war der 800 Meter lange, beleuchtete Büchsenweg. Frauen aus der Talschaft erstellten den Weg mit 290 von Hand gestanzten Konservendosen – jede einzelne ein Unikat. Ausgestattet mit Stirn- oder Taschenlampe ging es anschliessend zurück zu unseren Fahrzeugen, mit denen wir uns nach Diemtigen zum Nachtessen verschoben. Der Gasthof Hirschen ist einer jener Orte, der mir in über fünfzig Jahren Naturfreunde so viele unvergessliche Erinnerungen geschenkt hat wie kaum ein anderer. Etwas wehmütig verliess ich nach einem herrlichen Nachtessen über die imposante Steintreppe das alte Simmentalerhaus wohl zum letzten Mal. Am 30. Dezember wurden in diesem geschichtsträchtigen Betrieb die Schlüssel zum letzten Mal gedreht – und das Ganze ist nun Geschichte!
Weitere Aktivitäten: Im Juni wurde die Präsidentenkonferenz der NFS in Bern besucht. An den Hauptversammlungen der Partnersektionen Worb und Ostermundigen war eine Delegation unseres Vereins anwesend.
So, wie einleitend erwähnt, noch kurz zu meinen Gedanken: Nach den vielen Jahren am „Charre schrisse“ darf oder muss doch einmal die Frage aufkommen: wie lange noch – und wie weiter? Das heisst: Ich möchte/will in zwei Jahren das Steuer einem neuen Fahrmann oder einer Fahrfrau übergeben und nur noch mithelfen zu rudern. Hier und heute stelle ich diese Gedanken in den Raum, ohne nun gleich eine grosse Diskussion loszutreten; aber alle müssen sich mit diesen Gedanken ernsthaft beschäftigen und mithelfen, Ideen zu kreieren!
Nun komme ich noch zum Danken:
Allen, die sich im vergangenen Vereinsjahr für die Naturfreunde eingesetzt und mit ihrer Mithilfe zum Wohle unserer Bewegung beigetragen haben.
– Familien Linder und Löffel mit Team für die Gastfreundschaft im Gasthof Ochsen
– Allen unseren Inserenten und Gönnern, die uns mit ihren Inseraten und Spenden spontan unterstützen
Ich wünsche allen weiterhin viele schöne und sonnige Stunden im Kreise der Naturfreunde – und vor allem Gesundheit, Glück und Wohlergehen!
H.H.
